Do you think God ever gets sad like:

“What do you mean you don’t love yourself? – I worked so hard on you.”

 

MY BODY STORY

Ich hasse dich, ich hasse dich, ich hasse dich!flüstere ich leise aber wütend vor mir her, während ich mit einem Einwegrasierer Druck auf meiner Hüfte ausübe, wodurch kleine Schnitte an dieser Stelle verursacht werden. Mir laufen Tränen über meine Wangen. Ich bin so unendlich wütend auf meinen Körper. Ich fühle mich hässlich. Ich fühle mich falsch. Ich hasse mich. Je öfter ich mit der Klinge über die Stelle gehe, desto mehr Wunden entstehen dort und umso mehr brennt es auf meiner Haut, aber es reicht noch längst nicht aus um den Schmerz zu betäuben, den ich in mir spüre.

Damals bin ich 15 Jahre alt und plötzlich ist es nicht mehr wichtig, wie ich mich fühle, sondern auch wichtig wie ich aussehe. Alle meine Freundinnen sind dünner als ich. Ich bin die “Fette” in der Clique. Zuerst habe ich das selbst garnicht so empfunden, aber alle anderen und als sie anfingen mich dies auch spüren zu lassen, fing ich an es zu glauben. Ich begann einen Kampf gegen meinen Körper zu führen, fing an ihn zu hassen, fing an mich selbst zu hassen. Und es wurde von Tag zu Tag einfach schlimmer. Ich mied die Tage am See, versuchte in der Gegenwart anderer weniger zu essen und probierte bestimmt 10 verschiedene Diäten aus. Wenn irgendwelche Geburtstage oder Partys anstanden, dann begann ich 3 Tage vorher zu hungern, denn ich wusste, wie dick ich mich sonst an Tag x fühlen würde. War dieser Tag vorbei, so fraß ich alles wieder in mich hinein, in der Hoffnung dies würde die Leere, die ich in mir spürte, füllen können.

Ich war ein seelisches Wrack, das bloß eine Mission hatte – dünn zu sein, um dazugehören zu können. Jedes mal, wenn ich eine Sternschnuppe am Himmel sah, bei 00:00 auf die Uhr schaute oder es sich sonst irgendwelche Möglichkeiten ergaben, bei denen man sich etwas wünschen konnte, so wünschte ich mir nur eins – dünn zu sein. Um jeden Preis. Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als auch sorglos im Sommer einen Tag am See verbringen zu können, endlich ohne Bedenken eine kurze Hose tragen zu können, nicht immer darauf achten zu müssen wie ich sitze, damit ich nicht unförmig aussehe, bei Partys einfach Spaß haben zu können, anstatt mich die ganze Zeit unwohl fühlen zu müssen. Mein Leben war geprägt durch ein Wechselspiel zwischen extremer Kontrolle und dem absoluten Kontrollverlust. Tagelang verbot ich mir alles mögliche zu essen, dann brach das Kartenhaus wieder über mir zusammen und ich fraß alles in mich hinein. Ich war verzweifelt, allein und voller Schmerz.

 

YOU ARE NOT THE PROBLEM, SOCIETY IS

Du bist nicht das Problem, die Gesellschaft ist es. Unsere eigene Vorstellung davon, wie Menschen zu sein haben ist krank und macht uns krank – das habe ich als junges Mädchen am eigenen Leib erfahren. Und auch heute spüre ich noch die Macht der Auswirkungen, die die eingebrannten Normen der Gesellschaft auf das Leben eines Einzelnen haben können. Damals habe ich mir oft einen anderen Körper gewünscht, ein anderes Leben. Heute bin ich froh, dass es so war, denn nun kann ich darüber schreiben, für die Menschen sprechen, die nicht dazu bereit sind. Die Stimme sein, für die Mädchen oder auch Jungen, die jeden Tag durch die Hölle gehen und für mich selbst, um die Geister der Vergangenheit hinter mir zu lassen. In der Hoffnung ein Stück weit etwas verändern zu können. Und wenn ich auch nur einem Menschen den Schmerz nehmen kann, so würde mir das schon die Welt bedeuten.

In unserer Gesellschaft und vermutlich auf der ganzen Welt gibt es genaue Vorgaben dafür, wie ein Mensch zu sein hat, damit wir ihn als richtig betrachten. Im Fernsehen, den sozialen Medien, in unserem Umfeld – fast überall herrscht die gleiche Meinung zu dem perfekten Körper. Vor allem auf Instagram ist mir aufgefallen, dass Personen, die mal mehrere Kilogramm abgenommen haben oder ähnliche Geschichten auf ihrem Profil erzählen, eine extrem hohe Anzahl an Follower haben. Ich finde das zeigt, wie sehr der Wunsch nach einem schlanken Körper in unserer Gesellschaft verankert ist. Und wie groß die Hoffnung der Menschen ist, doch eines Tages ein Geheimrezept dafür zu erfahren. Es gibt so viele etliche Bücher über so viele verschiedene Diäten, die zunehmend immer wieder versprechen, dass man ohne viel Aufwand zum Ziel kommt. Aber eins fehlt mir in all diesen Büchern und Programmen – und zwar eine Antwort darauf, wie ich lernen kann meinen eigenen Körper zu lieben, ohne ihn vorher verändern zu müssen.

Wer um alles in der Welt hat eigentlich jemals festgelegt, welche Form ein Körper haben muss? Wieso sind Menschen “zu dick” oder “zu dünn”? Wann sind wir so unglaublich oberflächlich geworden? Ständig maßen wir uns an darüber richten zu können, anstatt einfach von einem gesunden Körper zu sprechen und endlich zu verstehen, dass dieser bei jedem Menschen anders aussehen kann. Dass jeder von uns unterschiedlich ist und dass uns GENAU DAS schön macht.

 

“Don’t forget – healthy looks different on every body”

(UNKNOWN)

 

LOVE YOUR BODY, NO MATTER WHAT IT LOOKS LIKE

Zuerst hatte ich für diesen Abschnitt HOW TO CHANGE als Überschrift gewählt, doch das ist ja genau das, was ich nicht ausdrücken möchte. Du musst nicht erst etwas verändern, bevor du deinen Körper lieben kannst. Du musst einfach nur lernen ein bisschen anders über dich selbst zu denken. Dich von dem Druck von außen frei zu machen. Dich von den Bildern frei zu machen, wie der perfekte Körper auszusehen hat. Wenn du Schlagsahne, Frittiertes und Mayonnaise liebst, mehrere Wochen unter starkem Druck im Rahmen einer Diät darauf verzichtest, dann scheint dein Problem soweit gelöst zu sein, denn vermutlich nimmst du mehrere Kilogramm ab. Doch eigentlich ist das Problem immer noch da, denn du liebst immer noch all diese Dinge und vermutlich hasst du immer noch deinen Körper. Und du wirst all diese Dinge wieder zu dir nehmen, wenn du glaubst, dein Wunschgewicht erreicht zu haben. Und dann beginnt der Teufelskreis wieder von vorne. Es geht also nicht darum seinen Körper zu verändern, damit man ihn liebt. Sondern seinen Körper zu lieben, damit er sich verändert. Und ich verspreche dir, wenn du deinen Körper wirklich liebst, dann wird er sich verändern!

Ich denke, dass du als aller erstes loslassen muss von all den Gedanken die du hast, die dich glauben lassen nicht richtig zu sein, so wie du jetzt grade bist. Das Gefühl loszuwerden, du müsstest unbedingt mit allen Mitteln etwas an deinem Körper verändern. Dann stellst du dich vor einen Spiegel und sagst dir verdammt nochmal wie schön du bist. Und auch wenn du erstmal losheulen muss, auch wenn du es tausend mal, Tage lang, immer wieder sagen musst, bis du es endlich glaubst. Dass du glaubst, du seist nicht schön hat genau so angefangen. Du hast es dir immer und immer wieder eingeredet. Du hast eine bestimmte Vorstellung davon entwickelt, was schön ist. Und diese Vorstellung orientiert sich vermutlich an irgendeinem Plakat-Model oder Internet-Star und stimmt natürlich nicht damit überein, wie du aussiehst. Wie soll es auch? Das bist nicht du! Werd’ endlich diese bescheuerte Vorstellung los! Dir zu Liebe. Für dich und für deinen Körper. Du bist wunderschön, glaub mir. Hör auf dich ständig selbst zu bekämpfen. Alles ist gut.

Und noch etwas – Lass dir von niemandem sagen, dass du “zu dick” oder “zu dünn” bist. Weder Eltern, noch ein Partner, Freunde oder sonst irgendjemand hat das Recht so etwas zu sagen. Niemand entscheidet darüber, wie du dich in deiner eigenen Haut zu fühlen hast. Ich finde auch, dass es nicht immer reicht, wenn man sagt man müsse immer über allem drüber stehen. Worte können Menschen verletzen und einen extrem großen Schaden anrichten, dessen sollte sich jeder bewusst sein. Du verdienst es dich selbst zu lieben, ganz egal wie du aussiehst. Ganz egal, was andere sagen.

 

THE MESSAGE

Heute tut es mir so unglaublich leid, wenn ich daran denke, dass ich die meiste Zeit meiner Jugend damit verbrachte habe meinen Körper zu hassen und mir fast jeden einzelnen Tag über dieses eine Thema Gedanken zu machen. Dass ich mir so stark eingeredet habe, ich könnte erst dann ein glückliches Leben führen, wenn ich dünn bin, zerreißt mir heute das Herz. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich mich angucken und mir sagen, wie schön ich bin. Schön, weil ich so viel mehr bin, als nur mein Körper. Schön, weil ich fühlen kann. Schön, weil ich lieben kann und mich dabei nicht schwach fühle. Schön, weil ich niemandem auf dieser Welt etwas böses will. Schön, weil ich weinen kann, ohne mich hilflos zu fühlen. Schön, weil ich hier bin. Schön, weil ich nicht wie alle bin.

Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber ich kann mir all diese Dinge auch heute noch sagen. An Tagen an denen ich mich schlecht fühle, aber auch an Tagen an denen alles wunderbar ist. Wir sind so unglaublich wundervolle Wesen und machen uns oft so klein. Wir beschränken uns auf den kleinsten Teil unserer selbst – unseren Köper, unser Äußeres. Als würde ein Körper jemals etwas darüber aussagen, wer wir wirklich sind. Ich finde den Spruch – DU BIST eine Seele und DU HAST einen Körper – so unglaublich toll, denn er zeigt uns was wirklich wichtig ist. Wir müssen uns viel mehr um das kümmern was wir sind, damit wir gut sein können zu dem was wir haben. Wenn wir uns selber lieben und den Körper in dem wir leben, dann können wir gut zu ihm sein, gut zu den Menschen um uns herum, gut zu der Welt, in der wir leben. Als ich aufgehört habe meinen Körper zu bekämpfen und bereit war ihn so zu lieben wie er ist – war ich endlich frei.

 

AND I SAID TO MY BODY. SOFTLY. – “I WANT TO BE YOUR FRIEND”

IT TOOK A LONG BREATHE AND REPLIED:

“I HAVE BEEN WAITING MY WHOLE LIFE FOR THIS.”

( NAYYIRAH WAHEED)

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