Happiness is only real when shared

Ich habe das Zitat „Happiness is only real when shared“ von Christopher McCandless für diesen Beitrag hier ausgewählt, weil ich in der 2. Woche meiner Reise eins gelernt habe: Es ist egal, wie viel Geld du für deine Unterkunft ausgibst, egal wie sauber diese ist, ob sie einen Pool hat oder nicht, wenn du alleine bist, dann bist du allein und kannst all die Dinge die du tagsüber erlebt hast mit niemandem teilen. Und jeden Abend hat mich dieses Gefühl von innen aufgefressen.

Kurz nach der Veröffentlichung meines letzten Posts überkam mich eine riesige Welle Heimweh. Zwar hatte ich endlich meine Kreditkarte wieder, nur musste ich nun auf meinen Reisepass warten, der zur Verlängerung meines Visums im Immigrations-Center lag und die Leute die ich bis dahin kennen gelernt hatte zogen alle weiter. Dann lernte ich Antonia aus Berlin kennen, die seit 2 1/2 Jahren nicht mehr Zuhause war und schon 1 Jahr in Neuseeland, 1 Jahr in Australien war und nun nach Bali kam um auf ihr Visum für eine weitere Zeit in Australien zu warten. Sie wollte rüber zu den Nusa Islands, doch ich hatte bereits eine weitere Woche in Ubud gebucht, die ich nicht stornieren konnte.

An einem Tag regnete es in Ubud, ich saß in dieser Villa die ich mir gemietet hatte in der Hoffnung ich würde mich dann besser fühlen, doch das tat ich nicht. Ich dachte mir nur, wie gerne ich einfach mit Antonia mitreisen würde um endlich nicht mehr allein zu sein. Als mein Wille nach Freiheit endlich meine Vernunft besiegt hatte, packte ich meinen Backpacker zusammen und zog in die Stadt ins Hostel. Dieses wunderbare Gefühl, das ich hatte während ich meine Sachen packte und fest entschlossen war auf das Geld zu verzichten, dass ich durch diese Buchung verlieren würde, war unbeschreiblich. Ich fühlte mich so frei. Und ich liebte das Gefühl entgegen meiner Vernunft meinem Herzen zu folgen. Vermutlich liegt das auch daran, dass es einem in der Gesellschaft aus der ich komme genau andersrum beigebracht wird. Dies würde wahrscheinlich jeder erst einmal prinzipiell verneinen, aber wenn man mal genau darüber nachdenkt, tief in sich geht und an all die Erwartungen seines Umfelds denkt, dann entspricht dies einfach nur der Wahrheit – Vernunft über Herz.

Nach der Nacht in dem Hostel begann eine super Zeit. Ich hatte in Ubud eine super Möglichkeit das Leben der Locals kennen zu lernen und zu erfahren, was für ein freundlicher und aufopfernder Teil der Bevölkerung auf diesem Fleck unserer Erde lebt, aber ich war nun bereit für ein weiteres Kapitel auf meiner Reise – Leute kennen lernen und gemeinsam Sachen erleben. Toni und ich hatten uns noch am Abend zuvor ein Ticket nach Nusa Lembongan gebucht. Früh morgens setzten wir uns in den Shuttle nach Sanur. Dort angekommen lernten wir Max aus München kennen, der im Rahmen seines Psychologie Studiums für ein Projekt auf Bali war und nun noch privat ein bisschen auf der Insel rumreiste. Gemeinsam fuhren wir ungefähr 1 Stunde mit dem Speedboot und landeten im Paradies (zumindest empfand ich es als jenes, das liegt vermutlich daran, dass es endlich hieß: Sonne, Strand und Meer). Die nächsten 7 Tage verbrachten wir mit Island hopping. Erst die Nusa Islands, dann die Gilis.

 

Nusa Lembongan

 

Als wir in Nusa Lembongan ankamen, konnten wir es leider nicht sofort genießen. Da wir noch keine Unterkunft gebucht hatten fuhren wir einfach mal so mit Max ins Zentrum, denn er hatte dort eine Unterkunft gebucht, dort würden wir ja wohl auch was finden. Jaaaa, das Zentrum bestand aus einer kleinen Bude mit 7 Shampoos, 3 Chipstüten und 1 Flasche Petrol (ha ha) und überall lag Müll herum (Hier auf Bali muss man sich sein Paradies schon herauspicken – hier liegt wunderschöne Natur neben Bergen von Müll, da die Einheimischen einfach nicht wissen wohin damit). Wie dem auch sei, wir fuhren also wieder zurück zum Hafen um dort nach Airbnb Unterkünften zu schauen. Dort angekommen bemerkten wir, dass alles bereits ausgebucht war. Naja einige Locals boten uns dann „I have small room for you in my house“ an, mussten aber selbst dabei lachen. Ich denke ihnen war klar, dass das nicht war wo nach wir suchten. Wir waren kurz davor so richtig schlechte Laune zu kriegen, aber das würde uns ja auch nicht weiterbringen, also entschieden wir uns wieder zu den „Taxi Taxi Taxi „- Leuten zurückzugehen und zum anderen Teil der kleinen Insel zu fahren.

Nachdem wir nun die letzte Stunde unsere schweren Backpacker bei brühender Hitze von A nach B geschleppt hatten und durch zwanzig Taxifahrten vermutlich die Wirtschaft der kompletten Insel angekurbelt hatten, landeten wir in der schööööönsten Unterkunft überhaupt. Mit einem kleinen Bungalow mit Bad für uns allein und Frühstück mit Aussicht auf eine tolle Bucht an der das Meer im Sekunden Takt gegen die Felsen schlug. Es war wirklich wunderschön! Wir legten uns erstmal unter ein Himmelbett im Freien und hörten den Wellen zu und in diesem Moment dachte ich mir einfach nur – ja, genau so habe ich mir das hier alles vorgestellt.

 

 

Nusa Ceningan

 

Am zweiten Tag auf Nusa Lembongan fuhren wir mit dem Roller (zu zweit auf einem Roller, da hat es übrigens noch super funktioniert, später dann nicht mehr wie ihr weiter im Text erfahren werdet..) nach Nusa Ceningan. Die beiden Inseln sind durch eine kleine gelbe Brücke verbunden und dort hatten wir unseren bisher schönsten Tag. Wir rasten mit dem Roller über holprige Wege und jedes Mal wenn wir durch einen Stein gefühlte zehn Meter vom Roller abhoben schrie ich laut „wuhuuuu“ und wir lachten. Wir fuhren durch die kleinen Straßen der Insel und manchmal kamen uns einfach so Lieder in den Sinn und wir sangen, auch wenn dies von uns vermutlich keiner kann, aber das ist hier egal, denn es macht uns Spaß und ich denke so fühlt sich wohl diese wunderschöne unendliche Freiheit an. Frei von Werten und Normen, ganz ohne Grenzen.

Wir verbrachten den Tag in einem super süßen Strandcafé, entdeckten eine Schaukel mitten im Wasser, haben etwas gegessen, frische Kokosnuss getrunken und uns von der Sonne verbrennen lassen. Ja das war ein toller Tag.

Am nächsten Morgen gingen Toni und Ich mit Max und Ruben dann zum Abschluss unseres kurzen Aufenthalts zu einer Schnorcheltour, bei der ich meine Liebe fürs Tauchen und die gesamte Unterwasserwelt entdeckte, denn zuvor bin ich noch nie so richtig Schnorcheln gewesen. Am Abend zuvor war ich schon dementsprechend aufgeregt und wahnsinnig gespannt ob ich mich trauen würde im großen Ozean mit all diesen Fischen zu schwimmen.

Nach einem kurzen Frühstück (Banana-Pancakes – ich glaube ich esse hier seit Wochen nichts anderes zum Frühstück :D) ging es dann los. An der ersten Bucht angekommen sitze ich gefühlte 5 Minuten lang mit mit meiner Taucherbrille auf dem Kopf, dem Schnorchel im Mund und Flossen an den Füßen auf dem Rand des Bootes und traue mich nicht hinein zu springen. Doch dann erinnere ich mich selbst daran, dass ich 15.000km weit weg von Zuhause bis nach Bali gereist bin und hier seit mehr als 2 Wochen auf mich alleine gestellt bin, schon 2 Tage ohne Geld für etwas zu Essen ausgehalten habe und das hier nun wirklich keine Herausforderung mehr sein sollte. Nachdem ich den Gedanken vollendet habe, springe ich ins Meer und bin überwältigt von dem was mich dort erwartet. Als ich zum ersten Mal nach unten ins Wasser schaue, sehe ich zwei Manta Rochen direkt unter meinen Füßen. Und die sind soooooo rieeeesig! Leider fehlt mir die Luft und die nötigen GoPro Kenntnisse um ein wirklich gutes Foto zu machen, aber Toni hat ein gutes hinbekommen und ich darf es für meinen Blog verwenden.

 

 

 

In den darauf folgenden 3 Stunden hatten wir einfach nur Spaß, fuhren von Bucht zu Bucht und jedes mal erwartete uns eine wunderschöne Unterwasserwelt. Wir testeten meine GoPro bis zum absoluten Akku Versagen aus um diese wunderbaren Momente festzuhalten. Am liebsten wäre ich 30 Minuten lang am Stück unter Wasser geblieben und immer wieder durch die Bunten Schwärme der Fische geschwommen. Es ist so wunderschön diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten – so unberührt, so friedlich, so frei. Es war einfach toll und ich frage mich, warum ich mich jemals davor gefürchtet habe. Aber wenn wir mal ehrlich sind, ist es nicht oft so, dass wir uns so sehr vor dem Unbekannten fürchten und es hinterher eigentlich nie schlimm finden? Manchmal sogar ganz im Gegenteil? Wir müssen uns einfach nur überwinden, das ist alles. Wenn ich daran denke, welche schlimmen Szenarien ich mir für meine Bali-Reise ausgemalt habe, weil ich nicht wusste was mich in diesem Land erwarten würde so ganz allein. Und letztendlich ist mein Heimweh das Einzige wo mit ich hier zu kämpfen habe. Und das ist nur in meinem Kopf und liegt ganz sicher nicht an dem Land.

 

 

Nusa Penida

Nach unserem Schnorchel Trip ging es dann gegen Nachmittag mit einem kleinen Boot rüber nach Nusa Penida. Und ja, eigentlich fragen wir uns immer noch, warum wir dort überhaupt hingefahren sind. Als wir ankamen, waren wir so erschöpft, dass wir uns nur noch ausruhen und was essen wollten. Als wir uns auf die Suche nach dem Stadtzentrum machten mussten wir feststellen, dass es mal so überhaupt garkein Zentrum gibt und die Auswahl an Restaurants gleich 0 war, in Nusa Lembongan hatten wir wenigstens noch 1-2 Möglichkeiten. Also liefen wir erstmal zu dem gefühlt einzigen Laden auf der Insel – einem Supermarkt – und deckten uns mit Wasser und Chips ein, als plötzlich auf der ganzen Insel der Strom ausfällt. Wir guckten uns nur alle an und dachten uns ja super, das kann ja witzig werden haha. Kauften uns Kerzen und landeten anschließend in einem Warung. Leider ging dann auch wieder der Strom, schaaade. Als Toni und Ich dort Fleisch in unserem Essen entdeckten war der Abend so gut wie gelaufen. Ich meine, wenn du reist und jeden Tag an einem anderen Ort bist, dann machst du immer das beste draus, aber es sollte ja sogar noch besser kommen. Zurück an unserer Unterkunft fielen wir müde ins Bett.

Am nächsten Tag gaben wir Nusa Penida noch eine Chance und waren bereit für das Auskundschaften der Insel: Angel’s Billabong – Broken Beach – Kelingking Beach. Instagram hatte uns zuvor schon völlig verrückt gemacht mit all diesen wunderschönen Bildern dort. Und ja, es wären bestimmt auch wunderschöne Fotos entstanden, wenn es in Nusa Penida auch Straßen geben würde – das ist der Teil, den man auf Instagram nicht sieht und ich frage mich wie jede einzelne dieser Personen zu den Aussichtspunkten gekommen ist ohne sich zu verletzen. Wir fuhren etwa 20 Minuten auf einer geteerten Straße und danach nur noch auf Sand-Schotter-Wegen, aber nicht so wie in Nusa Ceningan, dass es Spaß machte. Nein, die Steine waren teilweise richtige Brocken und es waren Löcher im Boden, wodurch der Roller jedes mal auf dem Boden aufklatschte (das Gute ist, dass die Besitzer der Roller das nicht so wirklich interessiert :D).

Die Motivation diese Aussichtspunkte zu sehen war jedoch so groß, dass wir es bis zum Parkplatz geschafft haben, wir müssten nur noch einen steilen Berg bergab. In derselbe Sekunde in der wir uns beide überlegt hatten doch zu schieben rutschte der Hinterreifen des Rollers weg. Ich stürzte auf den Boden und wenige Sekunden Antonia auf mich drauf und auf sie der Roller. Sie schubste den Roller sofort weg und stand auf um nicht zu lang auf mir zu liegen. Leider war das jedoch zu schnell und ihr Kreislauf versagte. Was für ein Drama! Zum Glück halfen uns sofort Leute die zurück von dem Aussichtspunkt kamen, wir legten Antonia in den Schatten und die Locals rieben ihr Blätter in die Wunden. Ich konnte grade noch verhindern, dass sie sämtliche andere Sachen auf ihren Körper und in ihre Wunden schmierten. Schließlich fuhren wir mit einem Taxi zurück und waren froh, dass wir bloß mit ein paar Schürfwunden davon gekommen waren, jedoch hatte sich Nusa Penida für uns erledigt. Nun wollten wir auf die Gilis um einfach nur zu Schnorcheln und am Strand zu liegen.

 

 

Gili Air

 

Am darauf folgenden Tag ging es dann mit einem Speedboot weiter zu den Gili Inseln. Da Antonia nicht mehr sehr viel Zeit auf Bali hatte mussten wir uns für eine der Inseln entscheiden. Nach ein bisschen googeln und Gesprächen mit locals und anderen Backpackern entschieden wir uns für Gili Air. Dort angekommen hatten wir wieder einen Bungalow für uns allein, kundschafteten ein bisschen die Insel aus und landeten in einem Restaurant – wie jeden Abend, Essen ist hier so neben Fotos machen unsere Hauptbeschäftigung.

Am nächsten Morgen gab es Smoothie Bowls zum Frühstück (mal keine Banana-Pancakes :D). Danach machten wir uns auf die Suche nach einem schönen Platz am Strand und das Wasser ist wirklich wunderschön! Jedoch gibt es neben dem Paradies auch wieder viele unfertige oder eingestürzte Bauten, viel Müll und Pferdekutschen, von denen ich persönlich kein Fan bin. Den ganzen Tag verbrachte ich eigentlich damit meiner GoPro hinterher zu trauern, denn am Abend zuvor hatte ich bemerkt, dass sie mir auf der Überfahrt mit dem Boot gestohlen wurde. Doch irgendwann merkte ich wie mich der Gedanke daran hinderte die Insel zu genießen und ich verdrängte es. Es würde sowieso nichts dran ändern.

Das schöne an der Zeit auf den Inseln war natürlich die Natur, aber noch mehr die Menschen die ich um mich herum hatte. Denn sei es der Rollerunfall, der Diebstahl meiner GoPro, Fleisch im Essen oder Heimweh, wenn du Menschen bei dir hast mit denen du all die guten und auch die schlechten Dinge auf deiner Reise erlebst, dann ist alles halb so schlimm und doppelt so schön. Und das schönste hier ist, dass wir nie wissen welcher Wochentag ist, der Montag hat den selben Wert wie der Freitag und es ist auch eigentlich völlig egal welches Datum wir haben.

Am nächsten Tag machten wir wieder eine Schnorchel Tour und hatten noch schöneres und klareres Wasser als zuvor in Nusa Lembongan. Wir fuhren um alle 3 Inseln herum und machten Stop zum Mittagessen auf Gili Meno. Bei dieser Schnorcheltour habe ich zum ersten Mal Schildkröten in freier Wildbahn gesehen, diese Tiere sind so wunderschön! Des Weiteren habe ich auch zum ersten mal lebendige Korallenriffe gesehen und mir wurde bewusst wie traurig dies eigentlich ist. Es ist so schade, dass man die Natur nicht bewundern kann ohne sie dabei auf Dauer zu zerstören.

Nun sitze ich grade in einem Hostel in Seminyak und weiß, dass morgen die Zeit mit Antonia vorbei ist und für mich wieder ein völlig neues Kapitel auf meiner Reise beginnt. Ich habe tolle Menschen in der letzten Woche kennen gelernt und wieder viel über mich selbst herausgefunden. Durch den Verlust meiner GoPro und das schlechte Gefühl, das damit einher ging ist mir bewusst geworden wie materialistisch ich immer noch bin obwohl ich es eigentlich besser wissen sollte. Darüber hinaus weiß ich wie wunderschön mein Zuhause in Deutschland ist. Ich vermisse ein Gute Nacht von meinem Papa, spontane Fernsehabende mit Mama, Diskussionen mit meinem Bruder, das Lachen seiner Freundin, das Gute-Laune-Gesicht samstags morgens um 8 von der Freundin meines Papas, die langen Abende die ich mit meinen Mädels auf einem Parkplatz verbringe und wo nichts tun trotzdem toll ist und die Arme meines Freundes.

 

Ich erinnere mich noch genau an meine Gedanken als ich Zuhause war. Da ich mich immer nach der Ferne gesehnt habe dachte ich, wenn ich erstmal im Ausland bin und diese atemberaubende Natur sehe, viel erlebe und tolle Fotos machen kann dann ist einfach alles perfekt. Dann kann ja nur alles perfekt sein. Und jetzt bin ich hier und mir geht es genau so gut wie es mir Zuhause ging, nicht besser und nicht schlechter, aber ich vermisse mein Zuhause, in manchen Momenten sogar so stark, dass ich das alles hier nicht genießen kann. Was ich damit sagen will ist, dass ich denke, dass es an der Zeit ist für uns unser Leben zu genießen und zu lieben. So wie es ist. Es gibt keinen Zustand in dem alles perfekt ist, wenn wir uns immer nur nach Momenten sehnen die jetzt grade nicht da sind. Den Augenblick zu genießen das ist alles worauf es ankommt. Und das kann man egal wo man ist und egal was man macht. Und das zu lernen habe ich mir als Herausforderung für die kommenden Wochen vorgenommen ♥

 

 

 

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