Traveling leaves you speechless then turns you into a storyteller

Ich bin jetzt mittlerweile seit 7 Tagen auf Bali, das heißt die erste Woche ist rum. Vor etwas 6 Tagen hätte mich nichts glücklicher gemacht als dass ich schon einen Teil geschafft habe. Und jetzt, jetzt habe ich Angst, dass die zwei Monate die ich hier insgesamt verbringen werde mir davonlaufen.

Es ist das erste mal in meinem Leben, dass ich so weit und so lange weg von Zuhause bin. Darüber hinaus ist es das erste mal, dass ich alleine reise. Also wo fang ich an von meinen bisherigen Erlebnissen hier auf Bali zu erzählen. Nach 40 Stunden langem fliegen, Aufenthalten in den Transiträumen der Flughäfen bis zum verzweifelten Versuch auf dem Boden schlafen zu können, war ich endlich auf Bali angekommen. Da ich mich vorher super organisiert hatte (ganz so super doch nicht wie sich einige Tage später rausstellte) wurde ich von einem der lokalen Taxifahrer mit einem Schild mit meinem Namen drauf empfangen. Als ich im Taxi saß kam alles über mich: ich war allein, in einem Taxi, mit einem völlig fremden Mann, der nur wenig englisch spricht, in einem völlig fremden Land, in dem ich noch nie zuvor gewesen bin. Ich wehrte mich gegen die Tränen die über mich kamen um dem Taxifahrer nicht noch irgendwas erklären zu müssen.

Ich machte drei Kreuze in meinem Kopf als ich übermüdet aber heile an meiner Unterkunft ankam und mit offenen Armen von Nyoman und ihrem Mann Made empfangen wurde. Ich kam in einem wunderschönen modernen Zimmer an, doch auch das half mir nicht mehr an diesem Abend. Ich wollte einfach wieder nach Hause, denn ich hatte Angst! Große Angst. Mitten in der Nacht schlief ich dann weinend ein ....

 

 

Die Sonne war es, die meine Tränen trocknete, als sie mit voller Pracht am nächsten Morgen in mein Zimmer schien. Nun wusste ich nicht was mich erwarten würde. Wie komme ich aus diesem Zimmer raus? Wo bin ich dann? Wie komme ich in die Stadt? Was soll ich heute machen? All diese Gedanken stießen in meinen Kopf doch als hätte Nyoman sie gehört brachte sie mir kurz darauf Tee und balinesischen Kaffee. Sie sagte ich könne hier einen Roller ausleihen und ihr Mann würde dann mit mir in die Stadt fahren und eine Sim Karte besorgen. Gesagt getan. Danach traf ich mich in der Stadt mit Andrea aus Kanada, die ich zuvor am Flughafen kennen gelernt hatte. Und so nahm alles seinen Lauf.

Wir besuchten die veganen Restaurants der Stadt, erkundschafteten die Natur mit ihren unglaublichen Wasserfällen (dazu muss ich sagen niemand erzählt dir vorher, dass du 230759437 Stufen laufen musst um an den Wasserfall zu kommen und das ist keine Übertreibung). Als wir den Affenwald besuchten wurde ich beinahe angegriffen, da ich das Schild „bitte den Affen nicht in die Augen gucken“ nicht gelesen hatte, ups. Dennoch, alles in einem verliebte ich mich in die Insel und ihre liebevollen Bewohner. Dieser wunderschöne Ort half mir so unglaublich schnell über mein Heimweh hinwegzukommen.

Mal so nebenbei, man erreicht hier alles super mit dem Roller auch wenn der Verkehr mal so ganz ohne Regeln ist. Es gibt nahezu keine Ampeln, so gut wie keine Verkehrsschilder und jeder fährt irgendwie so wie er will. An manchen Tagen steht ein Polizist an den Kreuzungen oder irgendjemand kommt mit seiner Pfeife aus dem Haus um den Verkehr zu managen. Ich meine mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt, aber am Anfang war das doch ein ganz schön großer Kultur-Schock.

Ich erinnere mich genau an Mama’s Worte: Das ist ein fremdes Land, lass die Gerüche und das Essen und die Leute erstmal auf dich und deinen Körper wirken, lass dir Zeit. Und erstaunlicherweise obwohl ich fest damit gerechnet hatte, brauchte ich diese Zeit nicht, denn alles riecht hier einfach nach Duftstäbchen wohin man auch geht, das Essen ist für mich als Veganer ein absoluter Traum, die Balinesen legen so viel Wert auf ein gesundes Leben. Und die Menschen haben so eine Herzenswärme an sich. Es sei denn du bist auf dem Markt, dann wollen sie nur dein Geld haha.

 

 

Kommen wir nun zu dem Teil warum auch die beste Organisation dich nicht vor dem Lauf der Dinge schützen kann. An Tag 4 fiel mir auf, dass ich seit 2 Tagen keine Kreditkarte mehr habe. Ich habe mir einmal Bargeld abgeholt und danach habe ich alles in Bar bezahlt, bis eben zu dem einen Tag als ich neues Geld vom Automaten brauchte. Wenn ich jetzt daran zurück denke, war ich den Umständen entsprechend doch ganz schön gelassen darüber, dass ich nun erstmal mittellos bin. Die Menschen um mich herum begegneten mir mit so viel Freundlichkeit. Made fuhr am selben Abend noch mit mir in die Stadt um an dem Automaten zu gucken an dem ich Geld abgeholt hatte, doch nirgendwo war meine Karte zu finden. Andrea lieh mir etwas Geld damit ich mir wenigstens die nächsten 2 Tage essen holen konnte

Jetzt sitze ich hier grade in meiner neuen Unterkunft (übrigens immer noch in Ubud, es ist so schön hier ich will nicht weg; musste nur ein Haus weiter ziehen da mein erstes für die nächsten 6 Tage ausgebucht ist, dann geh ich wieder zurück) und ich habe 0€ und 0IDR ich bin komplett ohne Geld und kann mir nichtmal etwas zu essen kaufen. Aber das ist es auch, was ich hier lernen wollte, mich selbst ein bisschen von den Mittel-Europäischen Standards zu distanzieren. Auch wenn das so nicht ganz geplant war ha ha. Und vor etwa einem Jahr wäre das hier alles noch die absolute Horror Vorstellung gewesen, aber ich muss sagen mir geht es echt gut. Ich habe hier 3 Baby-Bananen liegen die ich über den Tag verteilt noch essen kann und morgen kann ich dann endlich meine Kreditkarte bei der Bank abholen (Hoffentlich! Wir haben uns mit Händen, Füßen und Zeichnen verständigt, daher glaube ich es erst, wenn ich meine Karte sehe).

 

 

 

Es ist unglaublich, wie viele Menschen ich bereits kennen gelernt habe und jeder hat seine eigene Geschichte. Yolanda war die erste, die ich auf meinem Weg traf. Wir saßen nebeneinander im Flugzeug auf dem Weg von Paris nach China. Sie wohnt in England und besucht ihre Familie in China für 2 Monate. Dann ist da Helga, die 78-jährige Frau die seit 14 Jahren auf Bali lebt und aus München kommt. Jordyn und David die ihre Jobs in Texas gekündigt haben, die Welt bereisen und mittlerweile schon auf dem Weg nach Indien sind. Dann ist da Mike, der mit seiner Frau hier ein Haus hat und 6 Monate hier auf der Insel und 6 Monate in Amerika verbringt. Meine Freundin Andrea aus Kanada die Zuhause 3 Jobs hat, jetzt aber erstmal 4 Monate lang Asien und Australien bereist. Jeder hat seine eigene Geschichte und es ist schön jede einzelne zuhören.

Auch ich habe meine. Ich bin ein 21 Jahre altes Mädchen aus Deutschland. Ich habe vor 2 Jahren eine Ausbildung angefangen die mich seelisch und körperlich krank gemacht hat. Ich habe diese Ausbildung abgebrochen und bin meinem Herzen gefolgt. In dem vergangenen Jahr habe ich mich mehr und mehr mit meinem Seelenleben befasst. Ich bin auf eine vegane Ernährung umgestiegen, habe mich von all den Klamotten und dem Zeugs befreit, das kein Mensch braucht, nur denkt es zu brauchen. Und nun habe ich meine Familie, meinen Freund, meine wunderbaren Freunde und mein sicheres Zuhause verlassen um in die weite Welt zu gehen und mich weiterzuentwickeln. Um meinen Träumen zu folgen und endlich zu reisen! In einer Woche habe ich hier so viel gelernt, wie in einem Job in 6 Monaten nicht. Ich habe mich jetzt hier eingewöhnt und bin gespannt welche Abenteuer mich die nächsten 7 Wochen erwarten und ich kann es kaum erwarten nächsten Sommer mit meiner Familie zurück zukommen und ihnen diese wundervolle Insel zu zeigen.

Ich habe das Gefühl wirklich zu leben und das ist alles was für mich zählt.

 

 

Ubud ist ein sehr kultureller Ort und wie mir mitgeteilt wurde auch einer der ruhigsten, während die anderen mehr von Touristen und Partys wimmeln kann man hier so richtig in den way of life der Balinesen eintauchen. Wie schon erwähnt riecht hier alles ein bisschen nach Duftstäbchen, überall sind Tempel zu sehen und kleine Opfergaben in Form von Blumen und Kompost liegen auf den Straßen für die Götter und die Toten. Das wichtigste für die Leute hier sind die Zeremonien die in den Tempeln stattfinden. Wenn ich abends im Bett liege höre ich fast immer Getrommel von den Zeremonien und Festen, bis spät in die Nacht, Geckos, bellende Straßenhunde, streitende Katzen und ab und zu wird durch ein Erdbeben das ganze Bett gerüttelt. Ich muss zugeben, als ich das erste mal eins erlebt habe dachte ich mir „ok. jetzt wirst du sterben. es ist soweit“ und mein Herzschlag stieg in die Höhe. Doch als ich beim nächsten Abend mit meiner Gastfamilie beim Karten spielen und Bananenbrot essen darüber sprach, beruhigten mich alle und teilten mir mit, dass dies völlig normal sei für Bali. Alles in einem, auch wenn ich noch nirgendwo anders auf Bali war, möchte ich diesen Ort ungern verlassen. Aber in 1 1/2 Wochen geht es dann mal in Richtung Strand.

 

 

Wenn ihr irgendwelche Fragen habt über meinen Aufenthalt auf Bali, vielleicht mehr über die Ausflüge hören wollt, dann teilt es mir gerne in der Kommentar Funktion am Ende dieses Beitrags mit. Ich freue mich darüber ♥

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